Glück und Wirtschaftserfolg

Archive for Mai, 2009

Heiner Geißler brandaktuell: (Un-)Orte des Glücks

Gestern traf ich Heiner Geißler, ehemaliger Bundesminister und Generalsekretär der CDU, der im Hamburger Literaturhaus sein brandneues Buch „Ou Topos“ vorstellte. Für ihn ist eine Utopie nichts Unrealistisches. Hergeleitet aus dem Altgriechischen sei die Utopie ein Ort (topos), den es nicht (ou) bzw. noch nicht gibt, der aber jetzt schon vorstellbar sei.

Auf meine Frage, welchen Platz das Glück der Menschen in seiner Utopie habe und was er unter Glück verstehe, gab er mir vielfältig Antwort. Seiner Meinung nach ist Glück sehr individuell, vom Glück des Bergsteigers, der Familie bis zum Glück durch gute Taten.  Zentral seien jedoch zwei Säulen: Soziale Beziehungen und Lebenssinn. Ohne diese beiden Stützen könne sich Glück nicht halten. Im Leben von Heiner Geißler spielt das Duo eine herausragende Rolle. Wie man zu seiner politischen Linie auch immer stehen mag - in seinen Ämtern hat er für beides gekämpft.

Aber wie kann politische Arbeit das Glück der Mitmenschen beeinflussen? Heiner Geißler gibt hier die Antwort, die auch in wirtschaftlichem Zusammenhang gegeben wird: Direkt könne man da nichts tun, aber die Rahmenbedingungen können verbessert werden. Jeder solle die grundsätzlichen Möglichkeiten haben, sein persönliches Glück zu finden - so wie im amerikanischen Sinne des „pursuit of happiness“.

Wie stehen Glück und Wirtschaft in Zusammenhang? Hier schlägt der frühere Generalsekretär in die gleiche Kerbe, die auch von den positiven Wissenschaften seit einiger Zeit bearbeitet wird (siehe mein Artikel im Glocalist, News vom 06.04.09):

Der Mensch sei mehr als ein Kostenfaktor. Neben rein wirtschaftspolitischen Maßnahmen - wie die Abschaffung der Off-shore Finanzplätze sowie die globale Besteuerung von Börsenumsätzen - sei Menschlichkeit in der Wirtschaft wieder herzustellen. Kapital müsse dem Menschen dienen, nicht der Mensch dem Kapital.

Seiner Ansicht nach müssen die Unternehmen endlich begreifen, dass zufriedene Mitarbeiter langfristig einen Gewinn für die Unternehmen darstellen. Das lohne sich, schließlich sei Deutschland dort wirtschaftlich erfolgreich, wo die Menschen gut bezahlt und behandelt würden, wie zum Beispiel in unserer Paradediszipin Maschinenbau.

Ich wünsche mir, dass mehr Politiker sich dieser Linie anschließen - und das am besten schon vor ihrer Pensionierung. Kompliment an den 79jährigen Heiner Geißler, der wieder einmal gezeigt hat, dass Menschen seines Alters mit Energie, Eloquenz und Intelligenz wichtig für unsere Gesellschaft sind.

Beitrag von Dominik Dallwitz-Wegner,
www.positive-intelligence.com

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Wandelnde Werte - vom Welch zum Paulus?

Eine Skandalmeldung geht durch die Presse: „Management-Legende gibt seinen Lebensirrtum zu“. Hardliner und Shareholder-Value Vater Jack Welch bezeichnet seine eigene Leitlinie der „Steigerung des Börsenwertes als höchstes Ziel“ nun als „dümmste Idee der Welt“.

Nachrichten leben von Paukenschlägen der Schlagzeilen. Aber auch beim genaueren Hinsehen ist der Perspektivenwechsel der Kapital-Ikone sehr interessant:

Jack Welch war und ist ein Paradebeispiel für kompromisslosen Kapitalismus. Die Financial Times bezeichnete ihn als „härtesten Manager der Welt“. Er führte 1981 bis 2001 General Electric mit der Devise, jedes Jahr die jeweils schwächsten 10% aller Mitarbeiter zu feuern. Weitere Stichworte seines knallharten Stils: „Fix it, sell it or close it“ oder die Bindung von Einkommen mit der Einhaltung der Six-Sigma Qualitätsmaßstäbe. 1999 wird er von Fortune trotzdem oder gerade darum als Manager des Jahrhunderts gekürt.

Jetzt ist er im Ruhestand, annähernd Dollar-Milliardär und als Berater tätig. In einem Interview mit der Financial Times ließ er sich dazu hinreißen, seine damalige Devise abzuqualifizieren: “Genau betrachtet ist Shareholder-Value die blödeste Idee der Welt”.

Ist nun ein Grundsatz der Scharfrichter des Kapitalismus selbst auf der Schlachtbank? Ganz so einfach dürfen wir es uns nicht machen. Jetzt kommt der spannende Teil.

In einem Interview mit der Wirtschaftswoche korrigiert der „unfehlbare“ Ex-Top-Manager seine Aussage. „…was ich von Shareholder-Value als Strategie halte, habe ich tatsächlich geantwortet, es ist eine dumme Idee. Denn Shareholder-Value ist keine Strategie, es ist ein Ergebnis guten Managements.“

Er lässt durchblicken, dass es letztlich um die Förderung der Mitarbeiter und die Entwicklung guter Produkte geht. Der Shareholder-Value steigt in dessen Folge.

Welche überraschende Übereinstimmung zwischen dem damaligen Hassobjekt der Humanisten und einer humanen Marktwirtschaft !

Der Fokus auf zufriedene und produktive Mitarbeiter verfolgt auch die Positive Psychologie und einige Ökonomen wie Richard Layard. Die Forschung zeigt uns seit mehreren Jahrzehnten, wie effektiv zufriedene Mitarbeiter sind - nicht nur für die Unternehmen, sondern eben auch für die Menschen selbst. Erfolgreiche Marktwirtschaft und Menschlichkeit arbeiten hier Hand in Hand. Immer mehr praktische Ansätze setzen sich durch (mehr dazu in folgenden Blog-Einträgen).

Vergleichbar mit dem Erreichen des persönlichen Glücks kann man sagen: Nicht das Glück ist das eigentliche Ziel, sondern die Folge eines guten Lebens. Das Glück mag „ein Vogerl“ sein. Dieser lässt sich jedoch gerne da nieder, wo er in Ruhe futtern und brüten kann.

Ich freue mich auf einen menschlichen und lebenswerten Kapitalismus.

Danke, Jack Welch, für diese Einsicht !!!

Beitrag von Dominik Dallwitz-Wegner,
www.positive-intelligence.com

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